CORONA-Krise

Liebe Leserin, lieber Leser, „Wir haben die Lage völlig im Griff und sind optimal vorbereitet“, beruhigt der Bundesgesundheitsminister angesichts des Corona-Virus. Eine Medizinerkollegin fragt, wie das zu verstehen sei: beispielsweise, wenn in einer Stadt mit 80.000 Einwohnern zehn Isolierbetten zur Verfügung stehen … Kommt es hart auf hart, dann ist guter Rat teuer. Dann hat niemand etwas „im Griff“. Natürlich rotiert auch die Politik, aber was soll sie tun? Vielleicht sind Beschwichtigungen wie die des Bundesgesundheitsministers gar nicht so verkehrt. … weiterlesen

Studienlage oft nicht bekannt

Liebe Leserin, lieber Leser, der Begriff „Stand der Wissenschaft“ oder die Formulierung „wissenschaftlich anerkannt“ sollte nicht vorschnell dazu führen, alle so bezeichneten Verfahren und Methoden unkritisch zu akzeptieren. Umgekehrt muss das Fehlen wissenschaftlicher Studien noch kein Beweis für die Unwirksamkeit einer Methode sein. In der Medizin zeigt vor allem die langfristige, praktische Erfahrung am Patienten, ob Verfahren nutzbringend und wirksam sind. Am besten ist es daher immer, wenn beides übereinstimmt: Studienergebnisse und die Erfahrung in der Praxis. Gerade der Komplementärmedizin … weiterlesen

Umweltschädliche Zettelwirtschaft

Liebe Leserin, lieber Leser, in Ländern wie Österreich und Slowenien soll es mittlerweile nicht nur eine Pflicht zur Ausgabe eines Kassenzettels geben, sondern auch eine Aufbewahrungspflicht für den Kunden. Dadurch soll einem Verdacht auf Steuerhinterziehung leichter nachgegangen werden können. Der Bürger wird sozusagen als Helfer der Steuerfahndung herangezogen. Ganz so weit ist es in Deutschland bisher noch nicht. Gleichwohl soll auch hier eine Bon­ausgabepflicht eingeführt werden, um Manipulationen an elektronischen Kassensystemen zu erschweren. Am Beispiel von Bäckereien wurde ausgerechnet, dass … weiterlesen

„Diätetik der Seele“ – ein Update wäre nötig

Liebe Leserin, lieber Leser, sagt Ihnen der Name Ernst Maria Johann Karl Freiherr von Feuchtersleben etwas? Mir bis zum 3.11.2019 nicht. Auf einem Kongress erfuhr ich erstmals von ihm – geboren 1806 und gestorben 1849 in Wien. Freiherr von Feuchtersleben, dessen Vorfahren aus einer thüringischen Adelsfamilie stammten, wirkte nicht nur als Mediziner, sondern auch als Essayist. Er soll den Begriff „Psychose“ geprägt haben und einer der Mitbegründer der psychosomatischen Medizin sein. Sein bekanntestes Werk, welches bereits Ende der 1870er Jahre … weiterlesen

Sozialprestige und Gesundheit

Liebe Leserin, lieber Leser, einmal mehr zeigte kürzlich eine große Studie: Niedriger sozialer Status begünstigt Krankheit und verkürzt die Lebenserwartung. Höheres Einkommen korreliert mit höherer Lebenserwartung. Nun sind solche nicht neuen Erkenntnisse sicher Wasser auf die Mühlen derjenigen, die meinen, man müsse nur genügend Geld umverteilen, dann wird alles gut. Auch im Gesundheits- und Bildungswesen dominiert ja seit langem die Forderung nach „mehr Geld“. Aber kreative Lösungen? Zumeist Mangelware! Die aktuelle Studie bestätigt: Niedriger Bildungsstandard geht mit erhöhtem Alkohol- und … weiterlesen

Heureka! Erkenntnis statt Technik

Liebe Leserin, lieber Leser, noch in den 1990er Jahren war es gang und gäbe, die Prostata durch die Harnröhre mittels eines operativen Verfahrens zu verkleinern, das man mit einem Begriff bezeichnete, der keine schönen Bilder hervorruft: die „Abhobelung“. Auch verschiedene Varianten des Laserns kamen wie am Fließband zum Einsatz. Hintergrund der zahlreichen Eingriffe war folgende Überlegung: Die Prostata vergrößere sich mit zunehmenden Alter regelmäßig. Dann könne es zur Verengung der Harnröhre kommen. Es drohe die „Alt-Herren-Krankheit“ mit lästiger Symptomatik, wie … weiterlesen

Qualitätsmanagement: wia a Mehlspeis‘

Liebe Leserin, lieber Leser, wir leben im Land der Manager. Der einstige Bahnhofsvorsteher heißt längst schon „Bahnhofsmanager“, das Katasteramt kümmert sich ums „Bodenmanagement“. Sogar ein „Wolfsmanagement“ haben wir zu bieten! Wenn hochtrabende Bezeichnungen für äußerst bodenständige Sachverhalte ihren Weg in den Sprachschatz finden, macht mich das per se skeptisch! Das Gesundheitswesen beispielsweise sieht sich nun allerorten mit dem Qualitätsmanagement (unter Vollprofis „QM“ abgekürzt) konfrontiert. „QM“ stammt ursprünglich aus der industriellen Fertigung und wird auf dem Gesundheitssektor vor allem auch von … weiterlesen

Weniger (Essen) ist mehr (Leben)

Liebe Leserin, lieber Leser, ein großer Klinikbetreiber wirbt in seiner Anzeigenkampagne mit dem Claim: „Krankenhaus neu denken“. Klingt gut! Und erfreulicherweise finden wir diese gedankliche Öffnung inzwischen in vielen heilkundlichen Bereichen – auch in der Ernährungsmedizin. Auf einer internationalen Tagung berichtete der amerikanische Forscher Mark Maddock über eine Tendenz zur Hirnverkleinerung und Lebensverkürzung bei Hunden, die ständigen Nahrungszugang hatten. Täglich drei Hauptmahlzeiten und diverse Snacks zwischendurch versorgten das Gehirn praktisch rund um die Uhr mit reichlich Glukose. Wird die gesamte … weiterlesen

Der kleine Bruder des Fremdschämens

Liebe Leserin, lieber Leser, der moderne Mensch hat Stress. Im Beruf, mit der Familie und sogar in der Freizeit. Aus der Forschung wissen wir: Anhaltender Stress macht krank – selbst wenn es sich um positiven handelt. Als ich jüngst das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth besichtige und erfahre, dass Bauherrin Wilhelmine von Preußen (1709 – 1758) das Bauprojekt nur vier Jahre nach dem Kauf des Grundstücks 1744 mit Hilfe eines italienischen Architekten fertigstellt hat, bin ich schwer beeindruckt. Im Inneren rein aus Holz gebaut, … weiterlesen

Zu viel des Guten: Weniger ist mehr!

Liebe Leserin, lieber Leser, die Einschätzung unseres Gesundheitswesens als ein „Kuddelmuddel“ von Unter-, Über- und Fehlversorgung halte ich für zutreffend. Jüngst führte ein Fachartikel exemplarische Fälle auf, die zeigen, wie ungünstig sich eine Überversorgung auswirken kann. Angesprochen wird hier unter anderem die Versorgung mit Neuroleptika (Präparate, die bei psychiatrischen Krankheitsbildern eingesetzt werden) in der Palliativmedizin. Die verbreiteten Substanzen Haloperidol und Risperidon sollen Symptome eher verstärken und sogar die Sterblichkeit erhöhen. Der Wirkstoff Pregabalin, auch unter dem Handelsnamen Lyrica® bekannt, wird … weiterlesen

Patientenschreck Beipackzettel

Liebe Leserin, lieber Leser, vor mir liegt der Beipackzettel eines gängigen und als recht unkompliziert geltenden Antidepressivums, das auch bei Schlafstörungen Anwendung findet. Auseinandergefaltet hat er eine Größe von 71 x 15 cm (0,2 Quadratmeter!) und ist beidseits eng beschriftet. Die Gliederung solcher „Beipacks“ ist heute standardisiert. An erster Stelle steht, wofür bzw. wogegen das jeweilige Präparat zum Einsatz gelangt. Dann wird ausgeführt, was man vor der Einnahme der Substanz beachten und wann man das Präparat nicht zuführen sollte – etwa … weiterlesen

Mit Sinn und Verstand

Liebe Leserin, lieber Leser, gemeinhin werden Fortschritte der Medizin mit technischen Errungenschaften oder der Entwicklung neuer, meist extrem teurer Medikamente gleichgesetzt. Ich persönlich aber sehe eine beträchtliche Weiterentwicklung für viele Menschen in vergleichsweise einfachen Dingen. Allein die Erkenntnis, dass ständiger Reizhusten durch unerkannten Magensaft-Reflux ausgelöst werden kann, ist für die praktische Behandlung der Patienten äußerst wertvoll. In einem bemerkenswerten Fachartikel wurden kürzlich neue Strategien beschrieben, die vielfältige Probleme rund um Operationen bei Senioren reduzieren sollen. Ein spezielles Management – vor … weiterlesen

Der Umwelt zuliebe

Liebe Leserin, lieber Leser, Grenzwertdiskussionen über Stickoxide würden in Skandinavien, Singapur und Kanada pragmatisch diskutiert und zügig gelöst. In Deutschland arten solche Themen regelmäßig in eine Art Glaubenskrieg aus. Die Historie lehrt uns, dass Kriege oft nicht mit dem Sieg einer Seite enden. Vielmehr mit der Erschöpfung aller Beteiligten … Zuletzt kamen Zweifel an der Frage auf, ob die Festlegung von Stickoxid-Emissionen auf 40 µg pro Kubikmeter Luft realistisch sei. Am Arbeitsplatz sind Grenzwerte von 950 µg erlaubt. Zigarettenrauch soll … weiterlesen

Es ist nicht alles Gold, was glänzt …

Liebe Leserin, lieber Leser, vor kurzem machte ein bekannter Fußballstar auf sich aufmerksam, weil er in einem Luxusrestaurant in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAR) ein mit Blattgold belegtes Steak verzehrte. Kostenpunkt: etwa 1.000 US-Dollar (etwa € 875,00). Der Sportstar hatte das Tranchieren des „Goldklumpens“ gefilmt und das Ereignis durch soziale Netzwerke mit aller Welt geteilt. Daraufhin startete zumindest ein Teil seiner „follower“ einen „shit-storm“, den der besagte Fußballer mit obszönen Beschimpfungen beantwortete. Er erhielt daraufhin von seinem Verein eine Rüge … weiterlesen

Egel-Journalismus

Liebe Leserin, lieber Leser, vor kurzem wurde im Deutschen Ärzteblatt eine Studie über die Wirksamkeit der Blutegeltherapie bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken veröffentlicht. Sicher. Es mag faszinierendere medizinische Themen geben. Aber immerhin fanden die Autoren deutliche Hinweise für die Effektivität der Behandlungsmethode für eben diese Indikation. Wäre die Studie von schlechter Qualität gewesen, hätte sie es bestimmt nicht in die Standardfachzeitung aller deutschen Ärzte geschafft. Gleichwohl rief dies nicht etwa empörte Kliniker oder Vertreter der Pharmaindustrie auf den Plan, … weiterlesen

Wohin gehst Du?

Liebe Leserin, lieber Leser, „Quo vadis?“, „Wohin gehst Du?“ Diese Fragen stellen Geleitworte in Zeitschriften, die sich mit Naturheilkunde beschäftigen, seit Jahrzehnten immer wieder. Besonders auch in Kreisen naturheilkundlich tätiger Ärzte wird diese Formulierung häufig bemüht, um dann darauf zu verweisen, dass Naturheilkunde doch so vieles zu bieten hat: Immerhin wünschten laut Umfragen doch 80 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Behandlung mit Naturheilverfahren. Da wäre doch deutlich mehr Anerkennung im Gesundheitswesen angebracht! Doch warum dreht sich diese Diskussion seit Jahrzehnten … weiterlesen

Nicht hopp und nicht top

Liebe Leserin, lieber Leser, zu zwei Themen kann ich mir einfach keine eindeutige Pro- bzw. Contra-Meinung bilden: Impfung und Organspende. Ersteres löste kürzlich wieder heftige Diskussionen aus. Ein Filmemacher hatte das Sujet als Dokumentation persönlicher Erlebnisse aufgearbeitet und erhebliche Verunsicherung signalisiert. Prompt hagelte es Kritik: Wie könne man ein so wichtiges Thema nur derartig zwiespältig darstellen? Die Vorteile von Impfungen seien schließlich eindeutig und immer wieder belegt worden. Nur eine Handvoll „Fanatiker“ lehnten die Impfung ab. Woran soll sich der … weiterlesen

Idylle auf dem Lande?

Liebe Leserin, lieber Leser, es gibt immer weniger Landärzte. Eine Tatsache, die man seit einer Generation diskutiert. Warum? Als ursächlich vermutet man räumliche Entfernungen, ein mäßiges schulisches Angebot für Kinder und maue Möglichkeiten zur (kulturellen) Freizeitgestaltung. Was die Situation bessern könnte? Dazu hören wir seit geraumer Zeit recht naive „Expertenvorschläge“: Sie reichen von der Unterstützung auf der Suche nach geeigneten Praxisräumen über zinsgünstige Kredite bis hin zu Umsatzgarantien. Immer wieder ist auch die Rede von „höheren Honoraren“ für Landärzte und … weiterlesen

In dubio contra Alkohol

Liebe Leserin, lieber Leser, vor kurzem wurde in diversen Medien eine Gesundheitsstudie der privaten Deutschen Krankenversicherung (DKV) als erste Meldung zitiert. Ihr zufolge leben „die Deutschen“ zunehmend ungesund. Wie immer geht es dabei um drei Problemfaktoren: Bewegungsmangel, Fehlernährung und Genussmittelkonsum. Angeblich habe sich die Situation, verglichen mit der Lage vor ein paar Jahren, erheblich verschlechtert. Schaut man sich jedoch die Methodik der Untersuchung an, kommen einem Zweifel an der Aussagekraft: Es handelte sich nämlich um eine „Befragung“, also eine Datenerhebung … weiterlesen

Die Milch macht’s nicht!

Liebe Leserin, lieber Leser, um die Kuhmilch ist es ruhig geworden. Über Generationen galt sie jahrzehntelang als Kultgetränk, Energielieferant und Wachstumsförderer (man denke an die Schulmilch!). Gegen Ende des 20. Jahrhunderts dann wurde ihr Gesundheitsnutzen zunehmend in Zweifel gezogen. Und schlimmer: Fortan geriet sie als Allergietreiber in Verruf. Krankheiten wie Neurodermitis wurden als „milchbedingt“ gesehen, wobei das konsequente Vermeiden des Getränks tatsächlich manchmal deutliche Besserung bringt, keinesfalls aber „immer“. Milchkonsum, hieß es auf einmal, sei schon deshalb vollkommen abwegig, weil … weiterlesen

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