Wie wichtig ist uns Prävention wirklich?

Liebe Leserin, lieber Leser, die Bundesregierung will die Prävention voranbringen. Die Koalition hat sich auf eine „Strategie“ geeinigt: Der Hausarzt soll zum Präventionslotsen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Präventionszentrale werden. Schön und gut, könnte man sagen. Vorbeugung alias „Prävention“ – wer findet das nicht wichtig? Die Vorbeugung vor Erkrankungen wäre „volkswirtschaftlich“ weit günstiger als die zum Teil aufwendige Behandlung bereits eingetretener Erkrankungen. Wer das in Sonntagsreden darlegt, erhält regelmäßig Applaus. Am Montagmorgen sieht die Welt jedoch schon wieder … weiterlesen

Jenseits des Maya-Kalenders

Liebe Leserin, lieber Leser, im Bereich der „Alternativmedizin“ begegnen einem derzeit einige Pessimisten, die das Ende eines Maya-Kalenders als Weltuntergang am 21. Dezember interpretieren oder sich in ähnlicher Weise auf Nostradamus beziehen. Ich traue mich vorherzusagen: Es wird auch nach Ablauf des Maya-Kalenders weitergehen, allerdings – wenn man die Weltlage betrachtet – an vielen Stellen wie in den letzten Jahren mit erheblichen Schwierigkeiten. Was Deutschland betrifft, so erwarte ich: Stagnation, tendenziell Deflation und Weiterjammern auf hohem Niveau – wenn es … weiterlesen

Ein Triumph der Eindimensionalität

Liebe Leserin, lieber Leser, in einer großen Tageszeitung regten sich Anfang Oktober zwei Journalisten über das „Einsickern von Esoterikern in die deutschen Universitäten“ auf. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen demnach an rund 18 Universitäten „Wünschelrutengänger, Homöopathen, Anthroposophen und Anhänger diverser asiatischer Aberglauben auf die Studenten losgelassen werden“. Demnach werden „bald ganze Universitäten Humbug statt Wissenschaft lehren“. Im Weiteren wird von der „Hartnäckigkeit von Anhängern geschlossener Glaubenssysteme“ gesprochen. Die Krönung des Ganzen sei die Gründung einer europäischen Hochschule für … weiterlesen

Pendeln soll krank machen …

Liebe Leserin, lieber Leser, es gibt amüsante Missverständnisse. Vor kurzem las ich im Videotext eines Fernsehprogramms die Schlagzeile: „Intensives Pendeln macht krank“. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich dachte dabei an Therapeuten, die das Pendeln zum Herausfinden einer möglichst optimalen Therapie oder zum Erhärten einer Diagnose einsetzen. Völlig abwegig wäre diese Formulierung nicht einmal gewesen, denn manche glauben ja, Pendeln mache Kernspintomographien und andere moderne Diagnostik überflüssig, und man könne die Frage einer ernsten Erkrankung auch durch Pendeln beantworten. … weiterlesen

Darf’s ein bisschen weniger sein?

Liebe Leserin, lieber Leser, die Arzneimittelstatistik liest sich jedes Jahr wie eine Offenbarung. Erstaunlich, welche Substanzen bei diesen deutschen Medikamentenmeisterschaften das Rennen machen: Ibuprofen – ein Schmerz- und Rheumamittel – ist mit 19,3 Millionen Verordnungen das meistrezeptierte Medikament in Deutschland. Wahrscheinlich liegt die „echte Zahl“ noch deutlich höher, da das Mittel bis zur Stärke 400 mg rezeptfrei erhältlich ist. Ein Patient berichtete mir über seinen Golfclub: Dort nähmen nahezu alle über 60-Jährigen Ibuprofen, um „die Runde“ zu schaffen. Zwei weitere Schmerzmittel … weiterlesen

Neue Terminologie für Altbewährtes?

Liebe Leserin, lieber Leser, „Am Anfang war das Wort“ – so beginnt auch eine Abhandlung über die Geschichte der Medizin. Das richtige Wort durch den Arzt war einst der entscheidende und oft auch der einzig mögliche Therapiefaktor. Später kam dann die Heilpflanze hinzu. Die heutige moderne Medizin feiert bezeichnenderweise ihre größten Erfolge dort, „wo sie stumm ist“ – wie es Hartmut Schröder, Professor für Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung an der Universität Frankfurt (Oder), ausdrückt: Intensivmedizin, Schrittmacher- einbau, Austausch von Augenlinsen und … weiterlesen

Blutgefäße: für manche Überraschung gut

Liebe Leserin, lieber Leser, Blutgefäße ähneln Röhren, die im Laufe des Lebens „verkalken“ können wie Wasserleitungen oder Heizungsrohre. Wenn die Verkalkung zu weit fortschreitet, muss man defekte Rohre austauschen, dann hat man erst einmal ein paar Jahre „Ruhe“. So ähnlich stellt man sich auch – ganz mechanistisch – die Situation in der Medizin vor. Dementsprechend werden Bypässe und „Stents“ gesetzt. Allerdings bringen Untersuchungen mitunter bemerkenswerte Überraschungen zutage: Bei manchen Patienten sind die Halsschlagadern zu 90 Prozent eingeengt. Laut physikalischen Prinzipen … weiterlesen

Wie die Pfunde besser purzeln

Liebe Leserin, lieber Leser, abnehmen ist oft ein reichlich kompliziertes Unterfangen. Was beim Manager noch gelingen mag, wird bei der übergewichtigen Frau in den Wechseljahren häufig extrem schwierig. Neulich las ich die Empfehlung eines Ernährungsexperten: „Wer übergewichtig ist, solle sich fettarm ernähren.“ Ich kam mir vor wie in den 1970er Jahren. Mögen Theoretiker noch so oft behaupten, Fett – egal welches – habe die höchste Kalorienzahl und mache am ehesten dick, möchte ich gegenfragen: Glaubt jemand, dass man durch reichlichen … weiterlesen

Wenn die Sau durchs Dorf jagt …

Liebe Leserin, lieber Leser, im französischen Präsidentschaftswahlkampf wurde laut Berichterstattern nicht nur jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben, sondern die gerade aktuelle noch am selben Tag von einer schnelleren Sau überholt. So ähnlich ist es oft auch in der Gesundheitsbranche. Denken wir an den „Hype“ der Umweltmedizin in den 1990er Jahren, von der man heute nur noch relativ wenig hört. Vor zwölf Jahren war wochenlang „BSE“ ein Riesenthema. Nach kurzzeitigem Einbruch hat der unkritische Fleischkonsum rasch wieder Normalniveau … weiterlesen

Richtiges Ziel – chaotischer Weg

Liebe Leserin, lieber Leser, vor einem Jahr fand in Japan die große Katastrophe statt: nach Tsunami der Supergau. Statt mitfühlender Hilfe zelebrierte man in Deutschland als Folge davon eigene Neurosen und teilweise kollektive Massenhysterien, die aber in einem sinnvollen Ziel mündeten: Ausstieg aus der Atomenergie, Hinwendung zu erneuerbaren Energien. In Deutschland kann es offenbar nur selten sachlich und mit Klugheit zugehen. Allzu oft dominieren Ideologie, erhobener Zeigefinger, Besserwissertum und Denkverbote. Landauf, landab predigen Politiker, man brauche mehr Überlandleitungen, um den … weiterlesen

Chronischer Schmerz – eine Herausforderung!

Liebe Leserin, lieber Leser, von Zeit zu Zeit fordern Experten einen großzügigeren Umgang mit Schmerzmitteln. In Deutschland müssen demnach viel zu viele Schmerzpatienten unnötig leiden. Würde man insbesondere Morphinpräparate großzügiger einsetzen, bräuchte dies alles nicht sein. Derartige Kampagnen, oft genug von Prominenten unterstützt, suggerieren, es sei bei ausreichender Dosierung kein Problem, Patienten schmerzfrei zu bekommen. Diese Unterstellung habe ich lange Zeit für etwas übertrieben gehalten. Nach der Teilnahme an einem Symposium zum Thema Schmerz muss ich sogar sagen, ich halte … weiterlesen

Übersäuert auf die Zielgerade?

Liebe Leserin, lieber Leser,  haben Sie zufällig im Februar 2010 während der Winter-olympiade in Vancouver die letzte Disziplin verfolgt? Es handelte sich um den 50-km-Skilanglauf der Herren. Am Start war auch der Deutsche Axel Teichmann, Gesamtweltcupsieger 2004/2005, doch von der Presse im Vorfeld als „Dauerpessimist“ eingestuft, weil er sich selbst und der Mannschaft keine besonderen Chancen ausrechnete. Tatsächlich hatte Teichmann nach rund 30 km einen erheblichen Rückstand von fast zwei Minuten auf die Spitze, der auch auf den folgenden Kilometern … weiterlesen

Von Heckenschützen und Studienhubern

Liebe Leserin, lieber Leser, manche Vorträge kommen einer Art rhetorischem Afghanistan-Einsatz gleich: Man muss vor Sprengfallen und Heckenschützen auf der Hut sein. Konkret meine ich Vorträge über naturheilkundliche Konzepte, die vor eingefleischten Schulmedizinern gehalten werden. Hier gelten höchste Wachsamkeit, sorgfältige Wortwahl und staubtrockene Humorlosigkeit als wichtige Gebote. Im November erlebte ich nach langer Zeit wieder einmal einen klassischen Heckenschützen. Nachdem ich meinen Vortrag beendet hatte, wartete er erst die Diskussion der Interessierten ab, um dann einzuwerfen, ich hätte lediglich reine … weiterlesen

Eigenverantwortung mit Optimismus

Liebe Leserin, lieber Leser, die Erfolge und Fortschritte der Hochschulmedizin vor allem im Notfall bzw. in der Akutmedizin sind oft beeindruckend. Auf der anderen Seite zeigt sich Fortschritt häufig auch als überflüssig oder gar schädlich, wie wir bei neuen Medikamenten wiederholt feststellen mussten. Insofern teile ich nicht den prinzipiellen Pessimismus vieler Politiker und Funktionäre, die den Fortschritt für zunehmend unbezahlbar halten. Sicher, jeder spürt, dass die Leistungen des Gesundheitswesens insgesamt in der Zukunft eher rückläufig sein werden, so dass mehr … weiterlesen

Etwas mehr Ruhe und Ordnung …

Liebe Leserin, lieber Leser, neu ist die Diagnose Burnout nicht. Wir kennen sie seit etlichen Jahren. Die Problematik rückte jedoch kürzlich wieder verstärkt in die Öffentlichkeit, nicht zuletzt wegen einiger prominenter Fälle. Flugs stehen aller Orten Experten für die Behandlung von Burnout bereit, geben die unterschiedlichsten Ratschläge, die sich teilweise recht hochtrabend anhören. Was hat es mit diesem Ausgebrannt-Sein auf sich? Es handelt sich um einen Zustand dauerhafter körperlicher, seelischer und geistiger Erschöpfung. Bemerkenswert: vor allem Berufe, die viel mit … weiterlesen

Immer Ärger mit Juristen

Liebe Leserin, lieber Leser, unterhalte ich mich in fröhlicher Runde mit Juristen, fällt irgendwann einmal die Bemerkung: Alles, was Ihr Ärzte so macht, ist doch Körperverletzung. Ich antworte dann mit folgendem Standardsatz: Wenn ein Arzt unter Lebensgefahr einem schwer verletzten Unfallopfer, eingeklemmt in einem Auto, eine Infusion legt, ist das Körperverletzung? Ihr Juristen habt einen an der Waffel … Das wirkt durchaus. Denn kleinlaut bekomme ich zur Antwort: Ja, das mit der Körperverletzung sei nur im streng juristischen Sinne gemeint. … weiterlesen

Was wäre wenn … Die Überlegung lohnt!

Liebe Leserin, lieber Leser, sollte ich die Stimmungslage in Deutschland mit zwei Sätzen beschreiben, würde ich sagen: Überall werden Feste gefeiert, gleichzeitig sagen viele, es gehe doch alles den Bach hinunter. Möglicherweise haben Feiern und Fatalismus auch etwas miteinander zu tun, so eine Art Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität. Kürzlich sah ich zwei Dokumentationen aus angelsächsischer Produktion, die über zwei Szenarien spekuliert haben: Was wäre, wenn es auf einen Schlag keine Menschen mehr auf der Erde gäbe, und zum zweiten, was wäre, wenn es … weiterlesen

Rheuma schon vom Hinsehen

Liebe Leserin, lieber Leser, vor geraumer Zeit war ich zu einer Hochzeit auf dem Lande eingeladen. Polterabend: Es gab ein kleines Buffet mit Brötchen, die – ich traute meinen Augen nicht – ausschließlich mit verschiedenen Wurstsorten und Aufschnitt belegt waren, dann kübelweise Schnitzel, bergeweise Gehacktes und noch einen großen Topf Nudelsalat mit Wurst- und Fleischstücken und reichlich Mayonnaise. Salat, Gemüse? Fehlanzeige! Das Bild dieses Buffets löste bei mir förmlich virtuelle Gichtanfälle und Rheumaschübe aus. In der Tat bestätigt eine neuere … weiterlesen

Fortschrittsträume in der Medizin

Liebe Leserin, lieber Leser, Ende der 1980er Jahre hielt mir ein Patient das Buch eines amerikanischen Autors vor die Nase. Der Titel (soweit ich mich erinnere): Medizin des 21. Jahrhunderts. Ich müsse es unbedingt lesen, weil das darin Beschriebene unglaublich faszinierend sei. Schon als ich die Kurzbeschreibung auf der Rückseite des Buches ansah, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, beim Querlesen des Inhaltes wurden die Zweifel eher noch größer. Ein Kapitel beschrieb neue Methoden der Arteriosklerosebekämpfung. Demnach könnten auch langstreckig … weiterlesen

Wie Daniel Bahr zum Helden werden könnte

Liebe Leserin, lieber Leser, rechnet man sämtliche Kos­ten des Gesundheitswesens zusammen – für Krankenhäuser, ambulante Behandlungen, Medikamente, Hilfsmittel, Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen, Krankengeld und Krankenkassenverwaltung – kurzum alles, was an Ausgaben anfällt, bleibt immer noch eine beträchtliche zweistellige Milliardensumme übrig, die zwar ausgegeben wird, von der man aber nicht weiß, wo sie hinfließt.

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